Brennstoffwechsel in Chile
Brennstoffwechsel in Chile: Gemeinsam für mehr Nachhaltigkeit
In Kooperation mit unserem Kunden Electrolux, einem der weltweit führenden Hersteller für Haushaltsgeräte, haben wir im Frühjahr 2017 in Chile sowie 2018 in Mexiko, Peru und erneut in Chile ein Pilotprojekt zur Reduzierung von Schwefeldioxidemissionen gestartet. Schwefeldioxid kann unter anderem zur Bodenversauerung und zu Atemwegserkrankungen beitragen. Der Schlüssel zur Senkung des Ausstoßes liegt dabei im Wechsel vom Standardbrennstoff Schweröl (HFO) auf das höherwertige Marinegasöl (MGO). Das Projekt beweist: Wenn Verlader und Reederei zusammenarbeiten, lassen sich Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit umsetzen, die über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgehen.

Schwefelarmer Brennstoff wird in der kommerziellen Schifffahrt bislang hauptsächlich in ausgewiesenen Sonderfahrtgebieten, den Emission Control Areas, eingesetzt – etwa in Nord- und Ostsee oder vor den Küsten der USA und Kanadas, wo strengere Grenzwerte für den Schwefelgehalt gelten. Denn während Marinegasöl eine signifikante Reduzierung der Schwefeldioxidemissionen ermöglicht, ist es zugleich deutlich teurer als das herkömmliche Schweröl – im Berichtszeitraum lag die Preisdifferenz durchschnittlich bei über 60 Prozent. So wünschenswert diese nachhaltige Lösung ist, muss der Einsatz von MGO auch wirtschaftlich vertretbar sein. Bei unserem Projekt mit Electrolux haben beide Seiten – Reederei und Kunde – zusätzlichen Aufwand für ein Stück mehr Nachhaltigkeit akzeptiert.

Geboren wurde die Idee zum gemeinsamen Engagement in einer Arbeitsgruppe der Clean Cargo Working Group (CCWG), in der sowohl Electrolux als auch die Hamburg Süd seit vielen Jahren Mitglied sind. Die CCWG ist ein Zusammenschluss von Reedereien, Spediteuren und führenden Markenherstellern, die sich zum Ziel gesetzt haben, negative Umwelteinflüsse des weltweiten Gütertransports zu minimieren und verantwortungsvollen Transport zu fördern. Die Weiterentwicklung des Vorhabens war dann Teamarbeit: Neben Electrolux waren verschiedene Abteilungen der Hamburg Süd vom Schiffsbetrieb bis zum Einkauf eingebunden.

Umgesetzt wurde das Pilotprojekt mit der Liegezeit des Hamburg Süd-Schiffs „Santa Clara“ (7.154 TEU) im chilenischen Hafen Iquique vom 1. auf den 2. März 2017. Für den Betrieb der Hilfsmaschinen und Boiler wurde von HFO auf MGO umgestellt. Letzteres enthält deutlich weniger Schwefel, sodass während des Hafenaufenthalts über 98 Prozent der Schwefeldioxidemissionen eingespart wurden. Im Jahr 2018 hat die „Santa Catarina“ (7.114 TEU) während ihrer Liegezeiten in Manzanillo (Mexiko), Callao (Peru) sowie Iquique und Puerto Angamos (Chile) zwischen dem 11. und 24. März auf freiwilliger Basis statt HFO saubereres MGO genutzt, um Hilfsmotoren und Boiler zu betreiben. Durch den deutlich geringeren Schwefelgehalt des Marinegasöls verringern sich die Schwefeldioxidemissionen für die berücksichtigte Electrolux-Ladung um über 95 Prozent.

Im Rahmen seiner Nachhaltigkeitsstrategie „For the Better“ hat sich Electrolux mit Blick auf die Container-Carrier in seiner Lieferkette zuletzt auf die Senkung der CO2-Emissionen konzentriert. Die Verringerung von Schwefeloxiden in Häfen ohne entsprechende Regulierungen ist nun der nächste Schritt. Das Innovative des Projekts liegt dabei nicht im Brennstoffwechsel an sich, sondern vielmehr darin, dass beide Seiten gesteigerten Aufwand und höhere Kosten in Kauf nehmen, um die Wertschöpfungskette gemeinsam nachhaltiger und umweltfreundlicher zu gestalten.